Ironman Hawaii: Das Rennen

YOU ARE AN IRONMAN. Nun darf ich mich wirklich “Ironman-Hawaii-Finisher” nennen. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich mir diesen Traum erfüllen konnte und bei dem Rennen aller Rennen dabei war.  Es war eine ganz besondere Erfahrung und ich werde diese Bilder und Eindrücke immer in meinem Kopf abgespeichert haben.

Am Tag vor dem Wettkampf war ich noch sehr entspannt und ruhig und hatte auch die Nerven, erst um 17.30 Uhr mein Rad in die Wettkampfzone einzuchecken. Das hatte den Vorteil, dass das Rad nicht mehr in der Hitze stehen musste und ich die Reifen schon vorher aufpumpen konnte, ohne Gefahr zu laufen, dass sie durch die Einwirkung der Hitze platzen .Radcheckw-ZoneBeutel

Meine Gelassenheit verflog jedoch als ich mich abends ins Bett legte. So begann der Wettkampftag nach einer kurzen schlaflosen Nacht um 3:30 Uhr mit einem klassischen “Weissbrot mit Marmelade Früchstück”. Nach dem Frühstück ging es zum “Bodymarking” und ich bekam meine Startnummer 2057 auf den Arm geklebt.nummer

Plötzlich ging alles ganz schnell und ich befand mich an der Startlinie des Ironman Hawaii.  Als ich dies realisierte, bakam ich einen dicken Kloß im Hals. Dann fiel der Startschuss aus der Kanone und ich befand mich mitten in einer Waschmaschine. Ich habe mich jedoch ganz gut gegen die zahllosen Schläge und Tritte behaupten können und hatte einen unglaublich schnellen Hinweg zum Wendepunkt. Schon nach 28 min hatte ich die ersten 1,9 km absolviert. Da wusste ich, dass die Strömung den Rückweg ein bisschen weniger schnell machen würde. Aber auch hier hatte ich ein gutes Gefühl und stieg schließlich mit einer 1:09 aus dem Wasser.swim

Auf dem Rad habe ich mich auf dem Hinweg nach Hawi zum Wendepunkt sehr gut gefühlt, jedoch meldete ab dann ab km 90 plötzlich mein Magen. Schon die Tage zuvor, hatte ich mit einer Magen-Schleimhaut-Reizung zu kämpfen, sodass dies für mich nicht ganz überraschend kam. Dennoch habe ich natürlich gehofft, dass der Magen durchhält. Wie auch immer. Ich musste nun das Beste daraus machen und nahm ein wenig Druck raus. Die Nahrungsaufnahme gestaltete sich nun aber sehr schwer und ich konnte kaum etwas zuführen, ohne dass mir übel wurde. Ich zwang mich dennoch dazu. Zu allem Übel kam auf dem Rückweg auch noch Gegenwind auf. Aber auf Wind war ich ja eingestellt und habe mich nicht dadurch beunruhigen lassen, dass sich der Rückweg wie Kaugummi zog. Nach einer Radzeit von 5:38 h stieg ich schließlich vom Fahrrad.

Beim Laufen haben sich die Magenprobleme natürlich verstärkt und ich musste mich einmal übergeben. Aber mit etwas gedrosseltem Tempo konnte ich gut durchlaufen. Ich habe ausgeblendet, dass es sich um 42 km handelt und habe mir gesagt: Du läufst einfach immer nur von Verpflegungsstation zur Verpflegungsstation. Dort habe ich dann immer versucht etwas zu trinken und Salzkräcker oder ein Multipower-Gel zu mir zu nehmen. Die zweite Hälfte des Marathons, die über den Highway zum legendären Energy Lab führt, war jedoch wirklich eine mentale Herausforderung. Durch den scheinbar unendlich lang vor einem liegenden Highway, wird einem die Länge der Strecke, die noch vor einem liegt, erst richtig bewusst gemacht. Zudem kochte die Hitze mich dort ordentlich ein. Aber ich habe diese Tatsachen einfach versucht zu verdrängen und mir gesagt: “Einfach Kopp zu und weiterlaufen”. Außerdem habe ich an meinen Mann Balli gedacht, der in Kona im Zielbereich auf mich wartet und daran, wie viel wir in der letzten Zeit zusammen durchgemacht haben. Ich habe mir vor Augen geführt, dass dieses Finish einfach die Belohnung für alles sein wird und ein Ausrufungszeichen hinter unsere gemeinsame Stärke setzt. Denn ohne ihn, hätte ich das alles nicht geschafft. Auf dem Weg zurück, als ich realisierte, dass es nur noch 10 km bis zum Ziel sind und mir das Finish keiner mehr nehmen kann, konnte ich noch einmal die letzten Reserven aktivieren. Die letzten 2 km habe ich dann das Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Dort standen wieder so viele Menschen an den Straßen die einen anfeuerten. Noch ein Kurve und dann lag er endlich vor mir : Der Zielkanal. Mit Gänsehaut lief ich die letzten 100 Meter und überquerte nach 10:48 h überglücklich die Ziellinie. Einfach unbeschreiblich.

IMG_1408 (Video vom Zieleinlauf)

 

 

Ein Gedanke zu „Ironman Hawaii: Das Rennen

  1. Hallo Lydia, vielen Dank, dass Du uns mit Deinem Bericht an Deinem großartigen Erlebnis teilhaben lässt. Das “gänsehautfeeling” beim Zieleinlauf und die Freude über einen geliebten Menschen, der dort wartet, kann ich mir vorstellen. Ich freue mich für Dich über Deinen unvergesslichen Erfolg “Ironman-Hawaii-Finisher” und wünsche Dir und Balli alles Gute.

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